Abteilung renovierungs-muh:
Also Bauen ist ein äußerst gefährlicher Zeitvertreib. Und zwar jegliche Form des Bauens, egal ob Umbauen oder Ausbauen, auch einfaches Bauen - womit man meist Hinbauen meint - gehört ohne Zweifel dazu. Es kann natürlich auch sein und ich möchte das auch überhaupt nicht abstreiten, daß die Gefahr eher für hauptberufliche Nichtbauarbeiter besteht, in diesem Fall also für mich, denn die beiden hauptberuflichen Bauer Bauarbeiter schienen davon völlig unbeeindruckt.

Am Sonnabend rückte wieder früh zu sehr unchristlicher Stunde die Baumannschaft an, kaum daß ich den Hof von dem weißen Katastrophenpulver freigeschippt hatte. Was so ein gutes Frühstück doch für Wunder bewirken kann.
Die Baumeister begutachteten ihr Werk, denn am vergangenen Mittwoch hatten die bereits »gespachtelt« - für mich sah es eher nach geputzt aus. Und was soll ich sagen, ich habe zum ersten Mal in dieser Hütte gerade und ebene Wände. Ganze vier Stück! Es ist schon erstaunlich, was man in der heutigen Zeit alles so fertig bringt.
Der Spachtelputz war in der Zwischenzeit auch gut getrocknet, wir hatten durch wechselseitiges Heizen und Lüften das auch gut gefördert. Und so hatte die Mitschülerin in Erwartung des Tages am Abend vorher noch eben den Spachtelputz mit Putzgrund bepinselt, während ich die Decke weißte.
Für die Deckenarbeit kann ich nur immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen: Nehmen Sie feste Farbe und nehmen Sie gute, kein Billigzeug! Gegen entsprechende Bezahlung nenne ich auch gern die Marken, die ich verstrich.
Allerdings war mir bis dato die Existenz von »Putzgrund« völlig vorenthalten worden und es scheint nach Aussagen der zur Bauleiterin avancierten Mitschülerin auch noch mehr dieser reichlich mysteriösen und manchmal zähflüssigen Massen zu geben. Nicht nur den mir bisher einzig bekannten Tiefengrund.
Vom Baugrund mal abgesehen. Kleiner Scherz.
Die Baumeister nahmen nun einen großen Bottich (Plaste) und kippten zwei Eimer Wasser und zweieinhalb Sack von etwas, was wie grober Zement aussah hinein. Dann brachten sie eine große Rührmaschine in Position und diese mußte dann beidhändig gehalten und geführt werden, während sie sich durch die Masse schraubte.
Während der Oberputzer dann begann, die hellgraue dünne Pampe auf die Wände aufzubringen und glatt zu streichen, befaßte sich der Vater der Bauleiterin mit der Heizung, die, ehe ich mich versah, von der Wand gehoben wurde. Zwar hatten die Heizungsbauer vor vielen Jahrhunderten dies Möglichkeit erwähnt, doch dies zu tun war mir bis dato fremd. Vielleicht mußte ich deswegen so lange in meinen Werkzeugen nach einem sonst eher nicht benötigten 22er Maulschlüssel fahnden. Hinter der Heizung wurde »Styroporalufolie« geklebt, bis dorthin geputzt und ruckzuck, saß der - zwischendurch gründlich gesäuberte - Heizungskörper wieder an seinem Platz, war entlüftet und heize fröhlich weiter. Man kann da auch gerne einige Zeit darauf verzichten, wenn sich 5 körperlich betätigende Menschen auf knapp 16 Quadratmeter drängen.
Und was soll ich sagen, das Ergebnis ist spektakulär! Der Rauputz ist um ganze Größenordnungen toller, als jede Raufasertapete. An der wir in einigen Bereichen der Hütte aber leider nicht vorbeikommen werden. Die Problemzone heißt Flur, aber dazu dann, wenn es soweit ist.
Nun erschließt sich daraus noch nicht die Gefährlichkeit.
Das muh ist ja nun von Grund auf aufs heftigste neugierig, wobei wißbegierig vielleicht doch treffender ist. Und so muß ich meine Nase schon überall mit reinstecken.
Dummerweise auch in den Rührkübel, während der Rauputz aus seinen Säcken reingekippt wurde.
Was entsprechend stiebte.
Wovon ich ne große Nase nahm.
Nun besteht Mörtel im allgemeinen und Putz im besonderen ja nicht nur aus Sand, sondern auch aus Zement und Kalk. Letzteres ist nicht unbedingt der Gesundheit zuträglich.
Aber ich denke, meine aufgeätzten Nasenschleimhäute sind bald geheilt.

Und - hey! - kommenden Sonnabend folgt das nächste Großaufgebot, mit Turboschwager und allen Muskelpaketen, denn der Teppich wird gelegt und die Möbel wieder zurückgeräumt! Das Renovierungsende für dieses Zimmer ist in Sicht, wir sind quasi auf der Zielgeraden.

Leider ist dann erst Renovierungsbergfest.
12.01.2010 - Kommentare: 0
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