Abteilung renovierungs-muh:
Es ist ja durchaus so, daß ich handwerklich nicht gerade unbegabt bin, darauf hat in meiner frühesten Kindheit schon mein Großvater geachtet. In den späteren Jahren war ich dann in meiner Familie quasi eine Art Experte und gleichzeitig als Spezialist angesehen (jaja, ich weiß, daß schließt sich gegenseitig eigentlich aus; wer den genauen Unterschied wissen will, sollte den DDR-SF Roman »Die Untersuchung« von Rainer Fuhrmann lesen). Zumal ich ja auch ein ordentliches Handwerk gelernt habe und ich nehme auch heute noch gerne mal wieder ein Kabel in die Hand und fröhne meinem eigentlich im vorigen Jahrtausend abgelegten Elektrikerdasein.

Doch es ist nicht immer Sonnenschein, oder wie die Mitschülerin sagen würde: “Das Leben ist kein Ponyhof!” Ich wüßte eh nicht, was ich mit einem Pony soll. Die Familie der Mitschülerin besteht quasi nur aus Handwerkern und aus handwerklich begabten Menschen, neben denen ich durchaus manchmal etwas blond blaß wirke.
So hat am vergangenen Wochenende der Vater der Mitschülerin mit einem Kollegen den Fußboden im aktuellen Renovierungszimmer (1. Stock) verlegt. Das bedeutete Folie aufnageln, 15 Säcke Schüttung schütten, glatt ziehen, Fermacellplatten schneiden, legen, verkleben und verschrauben. Das Ziel war dabei, daß die Endhöhe des Fußbodens mit der Höhe der Türschwelle identisch ist.
Da ich von bautechnischen Dingen nun wirklich wenig Ahnung habe - manche sagen auch, ich hätte da gar keine Ahnung - entschloß ich mich wild, den Handlanger zu mimen. Man möchte ja als Hausbesitzer - wer möchte, darf jetzt gern über den Unterschied von Besitzer und Eigentümer nachdenken und im Zweifelsfall den Anwalt seines Vertrauens befragen - ja schon etwas mittun und nicht nur dumm in der Gegend rumstehen, meistens auch noch im Weg.
Acht Uhr sollten sie kommen und acht Uhr waren sie auch da. Die Mitschülerin servierte gegen halb zwei das Mittagsmahl und da war eben gerade der Fußboden fertiggestellt worden. Bevor um vier die Profies wieder verschwanden, wurden noch diverse Löcher zugeputzt und Ritzen ausgeschäumt. Es sollen ja schon ganze Häuser mit Bauschaum gebaut worden sein, wie eine urban legend erzählt.
Als dann das Adrenalin in meinen Adern langsam verschwand, spürte ich urplötzlich eine bleinerne Müdigkeit in allen Gliedern. Es blieb mir gerade noch, mich der Arbeitsklamotten zu entledigen und grob gereinigt stöhnend aufs Sofa niederzusinken. Also echt, so ne Fermacellplatte ist scheiße schwer. Was übrigens meinen leicht lädierten Knieen auch nicht so gefiel. Nunja, man kann nicht alles haben.
Dafür war das Lob der Mitschülerin umso erwärmender, die mir den alleinigen Transport so einer Platte nicht zugetraut hätte. Sie kennt eben wie alle Frauen die Mängel ihres Mannes. Und wir haben gefühlte fünf Dutzend von diesen Platten verbaut. Gezählt war es dann aber nur zwanzig, aber das reicht ja auch zu. Zuschnitt übrigens im Hof bei bestem Schneetreiben, ein Wetter wie geschaffen dafür.
Ich kenne mich in bautechnischen Dingen leider nicht so toll aus und so war ich baff überrascht, daß die Fußbodenhöhe des Zimmers genau mit der Oberkante der zugehörigen Türschwelle einhergeht. Ich habe allerdings nicht die geringste Ahnung, wie die das gemacht haben.
Manchmal bin ich schon froh, Elektriker gelernt zu haben, so habe ich in dieser Familie zumindest handwerklich eine gewisse Daseinsberechtigung.
06.01.2010 - Kommentare: 0
Kommentare:

Die Kommentare sind geschlossen.